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Die Vorplanungen

Die Vorplanungen zur Stockturmrenovierung.
von Johann-Friedrich Saßnick al. Magnus



Die ersten Daten und vor allem die Absichtserklärungen einiger unerschrockener Idealisten lagen vor. Das Aufmass war am 28.12.1974 von etlichen Interessierten, oder waren es auch Neugierige ??? , erstellt worden. Die Aktivitas des Corps Hannoverania fertigte die Aufmasszeichnungen an und eine erste Bestandsaufnahme erfolgte.

Haben wir nicht alle mal gelernt, dass das Wesen einer sorgfältigen Planung die Grundlagenermittlung und die Bestandsaufnahme ist? Was fanden wir vor?


Einen Keller voller Gerumpel, ...................................................... hier ein kleine Fotoauswahl ..... sehen Sie selbst .......

Kleine Bilderauswahl über den baulichen Zustand des Turmes direkt vor der Restauration und erste Vorentwürfe
[ EG ] [ 1. OG] [ 2. OG + 3.OG ] [ Dachgeschoss ] [ Vorentwürfe ]

Mit etwas Phantasie wunderschön, aber im Prinzip trostlos. Kein Fenster war in Ordnung. Die Elt-Installation spärlich und primitiv. Kein Wasser-, kein Gasanschluß und keine Entwässerung und keine Heizung.
Das oberste Geschoß mit knapp 10 cm starken Fachwerkwänden auf massivem Unterbau. Es hieß, Tilly habe im 30-jährigen Krieg das oberste Geschoß abgeschossen und es ist so ersetzt worden.


Wir waren nicht dabei, aber es ist eine schöne Geschichte und eines so alten Turmes würdig. Mit diesem Wissen setzte sich eine Gruppe von Fachleuten, sowohl Theoretikern als auch Praktikern, zusammen und schätzte grob die Renovierungskosten.
Dabei kam folgendes heraus:
Mit schlechtem Wissen und unerschütterlichem Optimismus kostet die Renovierung ca. 113.000 DM.

Wir hatten zwar keine Sicherheiten, keine Hausanschlüsse und so manches andere nicht einkalkuliert, verdrängten aber diese "kleinen" Unwägbarkeiten.
Eines wußten wir nämlich genau. Mit wesentlich höheren Zahlen hätten wir nicht vor den Allgemeinen Convent (AC) treten dürfen.

Wir, das waren in diesem Falle Karl-Heinz Wenzel al.Diogenes, Manfred Deppe al. Ciabus, Heinrich Windheim al. Teja, Wilfried Stefener
al. Flamingo, Rolf-Eberhardt Reiss al. Flirt, Rüdiger Strahl al. Chico und Johann-Friedrich Saßnick al. Magnus.

Diese "honorige" Mannschaft ging mit den oben erwähnten Kosten und folgendem Finanzierungsvorschlag in den AC am 24.1.75:

Eigenleistungen rd. 60.000,- DM,
Zugesagte Spende 15.000,- DM,
Spenden der Mitglieder 10.000.- DM,
In der Kasse der Rest in Höhe von 3.000,-DM.
25.000,-DM
sollte über Landes- oder Bundesmittel besorgt werden.

Damit waren die Weichen gestellt und ein großer, vielleicht der größte Entschluss gefasst. Nun wurden Nägel mit Köpfen gemacht. Ein Bauausschuss musste her. In diesen Ausschuss wurden gewählt:

Manfred Deppe - als Vorsitzender des Vereins
Rolf Eberhardt Reiss und
Johann-Friedrich Saßnick - als Architekten
Wilfried Haller - als Nienburger mit den besten örtlichen Verbindungen
Rüdiger Strahl - als Aktiver.

Damit waren alle Belange berücksichtigt und ein gesunder Querschnitt von Fachleuten aus allen Bereichen an den Entscheidungen beteiligt.
Federführend war J.-F. Saßnick, der bald die ersten Pläne vorlegte. Die waren noch sehr zurückhaltend, d.h. :
Unter strikter Einhaltung aller vorgefundenen Abmessungen und Nutzung aller vorhandenen Wände. Die dabei aufgestellte Kostenaufstellung brachte realistisch allerdings schon 142.000,- DM zusammen.

Die Planung wurde dann überarbeitet, weil uns klar wurde, dass durch falsche Rücksichtnahme auf nachträgliche Einbauten im Turm sowie auf evtl. zusätzlich anfallende Kosten wir der Sache keinen guten Dienst erwiesen. Die neue Planung- immer nur reine Grundrisslösungen- wurde dann Gegenstand des Bauantrages.
Hier lasst uns mal etwas zynisch sein.
Denn es gab dann plötzlich erhebliche Schwierigkeiten. Das Dachgeschoß hatte nicht die in der Bauordnung vorgeschriebene Höhe, die Treppenstufen die falsche Steigung.
Das Treppenhaus war kein Sicherheitstreppenhaus, die Fenster zu klein oder auch zu groß und was auch immer Anlass zu Beanstandungen gab. Jedenfalls wurden alle Verordnungen gewälzt, und wir konnten nur alles ins Lächerliche ziehen oder den Turm abreißen.
Endlich sprang der Stadtbaurat über seinen Schatten, verwies auf die historische Bausubstanz und erteilte Befreiung von Vorschriften, die 500 Jahre nach Erstellung des Stockturmes erlassen wurden und die nun mal einfach nicht passen wollten. Vielleicht läuft die gesamte Bauverwaltung noch heute mit schlechtem Gewissen am Stockturm vorbei.
Inzwischen wurden die Kosten aufgrund dieser neuen Planung festgeschrieben und wir landeten bei 202.000,00 DM.

Da die Finanzierung aber nun greifbare Formen annahm und Karl-Heinz Wenzel al. Diogenes und Johann-Friedrich Saßnick al. Magnus die ersten konkreten Wirtschaftlichkeitsberechnungen aufgestellt hatten, beunruhigten wir uns nicht sehr.
Und die kleine Schar der Eingeweihten sagte sich - "über Geld spricht man nicht".

Vielleicht war dieses die zweite große Tat.

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